Generation Y – wie viel Wahrheit steckt in den Klischees?

Markus Reinert FRICS

Gut gebildet, mit hohem Lebensstandard und von Natur aus skeptisch. All diese und viele weitere Eigenschaften charakterisieren die Generation Y, deren Vertreter aktuell den Arbeitsmarkt erobern. Viele dieser jungen Erwachsenen halten wenig von steilen Hierarchien, vorgegebenen Karrierewegen und starren Arbeitsmodellen, stattdessen stellen sie bestehende Strukturen infrage. Gerade im Dialog mit älteren Arbeitnehmern wird diese unterschiedliche Grundhaltung häufig sichtbar.

Um den hohen Ansprüchen der Generation Y gerecht zu werden, sind Unternehmen vielfach gefordert, neue Strategien zu entwickeln, um die hochqualifizierten Skeptiker für sich zu gewinnen. Doch neben der Mitarbeitergewinnung gilt es jene Young Professionals auch langfristig zu halten – eine anspruchsvolle Aufgabe.


Die Generation Y definiert das Wort Karriere neu
Ein Vorurteil, gegen das die Vertreter der Generation Y häufig ankämpfen, ist, dass diese wenig Interesse an Führungspositionen oder der zugehörigen Verantwortung haben. Dies stimmt nicht grundsätzlich, denn der Nachwuchs möchte mitreden und mitbestimmen. Doch im Vergleich zu älteren Generationen messen die heutigen Berufseinsteiger ihren beruflichen Erfolg weniger an der jeweiligen Position im Unternehmen, sondern vielmehr an anderen, „weicheren“ Kriterien der Unternehmenskultur sowie der persönlichen Sinnfrage nach der Bedeutung ihrer Arbeit. Man könnte also beinahe sagen, die Generation Y hat den Begriff Karriere für sich neu definiert.

Der Wunsch nach Flexibilität und neuen Herausforderungen
Ähnlich unterschiedlich ist die Arbeitsmentalität vieler Vertreter der Generation Y. Einerseits gilt es den Nachwuchs von Anfang an zu begeistern und täglich mit neuen Herausforderungen zu konfrontieren, denn womit die jungen Talente häufig Probleme haben, ist Routine: Nehmen junge Arbeitnehmer eine neue Stelle an, sinkt die Zufriedenheitskurve gemäß der Studie des Software-Analyseunternehmens Peakon im Laufe der Zeit deutlich, sofern sie sich nicht weiterentwickeln können. Andererseits hat auch der Stellenwert der Arbeit – verglichen mit anderen Aspekten des Lebens – an Bedeutung verloren. Eine gute Work-Life-Balance und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist der Generation Y wichtig. Zudem wünschen sich die jungen Arbeitnehmer genügend Zeit für persönliche Projekte außerhalb der Arbeitszeit. Für den entsprechenden Arbeitgeber ist dies an sich natürlich keine allzu positive Ausgangslage. Doch sofern er die oftmals exzellent qualifizierten Mitarbeiter der Generation Y motivieren und halten kann, sodass sie sich aktiv einbringen und den Unternehmenswandel kreativ mitgestalten, ergeben sich handfeste Vorteile.

Leistung wird nicht mehr nur in Arbeitszeit gemessen
Entgegen dem Klischee, dass junge Menschen auch gerne für einen geringeren Lohn arbeiten, ist der Generation Y ein attraktives Gehaltspaket durchaus wichtig. Denn viele junge Arbeitnehmer haben im Generationenvergleich einen durchaus hohen Lebensstandard und wollen diesen beibehalten. Hat jemand zusätzlich einen offenen Studienkredit oder möchte in ein Eigenheim investieren, ist es nicht verwunderlich, dass die Höhe des Gehalts bereits zu Karrierebeginn eine große Rolle spielt. Dass der Faktor Gehalt bei Millennials sogar besonders stark ins Gewicht fällt, belegt eine Befragung von Deloitte. Der Studie zufolge ist die Unzufriedenheit über das Gehalt mittlerweile der häufigste Kündigungsgrund der Generation Y sowie deren Nachfolgegeneration, der Generation Z.

Mehr Wahrheit steckt jedoch im nächsten Millennial-Klischee: Der Nachwuchs wünscht sich mehr Flexibilität am Arbeitsplatz. Konkret bedeutet dies, dass die Generation Y gerne im Homeoffice arbeitet oder ein Sabbatical einlegt. Auch das Thema „Remote Work“ steht beim Nachwuchs hoch im Kurs: Idealerweise lässt sich die Arbeit von unterwegs mit einer Fernreise verbinden.

Die Suche nach dem Sinn
Die Millennial-Forscherin Dr. Steffi Burkhart – ihres Zeichens selbst Vertreterin der Generation Y – erzählte auf einer Konferenz einmal folgende Anekdote zur Fremdbestimmtheit vieler Arbeitsumgebungen: Auf dem Weg zur Mittagspause mit Kollegen ging sie als erste der Gruppe die Treppe herunter, als ihr Vorgesetzter sie lautstark bat, doch das Geländer zu benutzen. Sie drehte sich um und sah sämtliche ihrer Kollegen hintereinander mit der Hand am Geländer gehen.

Die Moral: Vorgesetzte, die dem Nachwuchs zu genau auf die Finger schauen, sind eher unbeliebt, die jungen Arbeitnehmer fühlen sich schnell eingeengt. Stattdessen stehen Sinnhaftigkeit und Individualität im Job für die Generation Y oft an oberster Stelle. Ihr Einfluss ist zudem nicht mehr von der Hand zu weisen – spätestens im Jahr 2025 werden drei von vier Arbeitnehmern Millennials sein. Für Unternehmen und Arbeitgeber gilt es deshalb schon jetzt, die neuen Bedürfnisse ernst zu nehmen und kritische Stimmen anzunehmen. Nur so kann es gelingen, Kritik in positive Impulse zu verwandeln, um bereits jetzt nachhaltige Veränderungen einzuleiten, die für die Arbeitswelt der Zukunft umso wichtiger sind.

Zur Person: Markus Reinert FRICS ist Vorstandsvorsitzender & CEO der IC Immobilien Holding AG.

 

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